IMG_5717Was hat Qigong mit Singen zu tun?

Qigong  ist eine ideale Methode, die Energie im Körper wieder zum Fließen zu bringen und sie vom Kopf hinunter in den Bauch zu leiten.
Genau dort brauchen wir sie, wenn wir singen: im Bauch, in unserer Mitte. Im Qigong ist die Mitte die Verbindung zwischen oben und unten – man lernt also, sich selbst wieder von Kopf bis Fuß zu spüren.
Qigong verfeinert außerdem den Atem, bringt ihn in Fluß und verlängert ihn.
Wer regelmäßig Qigong übt, fühlt sich einerseits besser geerdet und wird andrerseits wieder empfänglicher für alles, was wir nicht angreifen oder herbeidenken können: Inspiration, Lebensfreude, Kreativität und die Atemkraft.

Meine Erfahrung mit Qigong und Stimme

Als ich vor zehn Jahren mit meinem Qigong-Training begann, ahnte ich noch nicht, wie positiv sich die “Arbeit mit dem Qi” auch auf meine Gesangstechnik auswirken würde. Eigentlich wollte ich nur üben, mich besser zu entspannen.

Je länger ich jedoch die Übungen praktizierte, desto klarer wurde mir, dass ich die perfekte Ergänzung zu meinem Stimmtraining gefunden hatte.

Wenn wir singen, kommt die Kraft (idealer Weise) aus unserer Körpermitte. Diese Mitte spüren wir nur, wenn wir einerseits gut geerdet, andrerseits aber auch gut mit unserer Musikalität, unserer Inspiration und der Freude am Singen verbunden sind. Diese Freude wird spürbar, wenn wir zulassen, dass der Atem fließt.

Und genau darum geht es auch beim Qigong Training. Gut die Füße auf der Erde zu spüren, Standfestigkeit zu entwickeln und gleichzeitig druchlässig zu werden für die Kraft des Atems. In Qigong-Sprache ausgedrückt, würde man sagen “Verbinde dich mit Himmel und Erde!”

Wie wird man durchlässiger?

Die Bewegungen im Qigong sind sehr langsam und fließend, es ist fast, als würde man in der Luft schwimmen. Der Atem begleitet die Bewegung, was dazu führt, dass nach längerem Üben der Atemstrom immer feiner, langsamer und länger wird – sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen. Dadurch wird das feinere Gewebe der Atemmuskulatur angesprochen und sowohl entspannt als auch gekräftigt.

Und was kann ein Sänger sich mehr wünschen, als einen kräftigen Atem, der nicht durch Druck, sondern durch Elastizität zustande kommt?

Qigong ist eine Erfahrung

Letztlich ist es schwer, „die Arbeit mit dem Qi“ mit Worten zu beschreiben, denn ein wesentlicher Teil des Übens sind Wahrnehmung und Achtsamkeit. Qi-Training ist eine Körpererfahrung, die nicht durch das Denken, sondern durch das Spüren zustande kommt.
“Oben leer, unten voll”, lautet ein  wichtiger Grundsatz, was nichts anderes bedeutet, als dass die Energie, die wir so gerne in unserem Kopf ansammeln, wieder mehr nach unten in die Körpermitte fließt. Ein angenehmes Gefühl von Gedankenleere stellt sich ein. Doch wie gesagt, durch Denken läßt sich dieser Zustand nicht herstellen. Daher schließe ich mit den Worten meines Shaolin Meisters: “Übe selbst!”