Die Macht der Gedanken

Atem ist Energie. Gedanken sind Energie. Beide reagieren aufeinander. Guter Gesangsunterricht sollte daher Atem und Gedanken in Gleichklang bringen.
Wenn der Atem fließen soll, lass also auch deine Gedanken fließen. Klingt einfach? Ist es oft nicht. Unsere Gedanken machen auf fast magische Weise einfach das, was sie wollen und sind dabei meist nicht sehr produktiv. Vielleicht kommen dir einige der folgenden Sätze bekannt vor:

  • Ich möchte Gesangsunterricht nehmen, kann aber eigentlich nicht singen
  • Ich kann nicht laut genug singen
  • Meiner Stimme fehlt der Ausdruck
  • Sobald ich vor Publikum singen soll, verschlägt es mir den Atem
  • Ich bin zu alt, um Gesangsunterricht zu nehmen

Der Atem reagiert mit Rückzug auf Gedanken wie diese. Kein Wunder, dass er uns dann im entscheidenden Moment nicht unterstützt.

Wenn du singen lernen möchtest, ist es wichtig, dass du dich selbst für eine gute Sängerin (einen guten Sänger) hältst. Oder davon ausgehst, dass du eine/r sein kannst. Alles, was du für möglich hältst, kannst du auch realisieren. Verabschiede dich von allzu kritischen Gedanken. Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen.
Ich sage immer wieder zu meinen Schülern: „Deine Stimme ist nicht das Problem. Es sind deine Gedanken, die dich blockieren. Deine Stimme ist wunderbar, aber du musst es dir selbst erlauben, laut und frei zu singen.“

Es gibt eine wunderbare Möglichkeit, aus dieser negativen Gedanken-Atem Feedbackschleife auszusteigen. Nämlich die Kombination von aktiven und stillen Atemübungen.
Zuerst wird das Zwerchfell so richtig durchgearbeitet, danach gibt´s zur Belohnung eine Nachspürphase, in der neue innere Räume und auch innere Bilder entstehen. Gedankenleere stellt sich ein. Selbstzweifel lösen sich auf.
Meiner Erfahrung nach klingt die Stimme nach diesem Atemtraining meist ganz von selbst freier, voller und sicherer.

Um mehr Vertrauen in die eigene Stimme und die eigenen Fähigkeiten zu bekommen, können auch Visualisierungsübungen hilfreich sein. Probiere einmal folgendes aus:
Schließ deine Augen und stell dir vor, du siehst dich selbst wie in einem Film. In diesem Film stehst du auf einer Bühne und singst. Mal dir die Szene so genau wie möglich aus. Welche Menschen sitzen im Publikum? Welche Songs singst du? Was hast du an? Wie bewegst du dich? Wie klingt deine Stimme? Wie reagiert das Publikum auf dich?
Wenn Zweifel oder Unsicherheit da sind, werden sie sich im Laufe dieser Übung schnell zeigen. Wenn du zB Angst vor hohen Tönen hast, wirst du spüren, dass du in deiner Visualisierung  hohe Töne eher vermeiden möchtest. Aber stelle dir einfach vor, dass du diese Töne mühelos und mit Freude singst. Es ist nur eine Imaginationsübung, du bist völlig sicher. Stelle dir immer wieder vor, dass du großartige hohe Töne singst und das Publikum dich bejubelt. Probiere das einmal einige Tage hintereinander aus, immer wieder. Du wirst merken, dass sich etwas verändert, dass die Vorstellung, hohe Töne zu singen, irgendwann nicht mehr so schlimm ist. Dass es vielleicht sogar Spaß macht. Und ich garantiere dir, das wird sich auch auf deine Stimme auswirken.

 

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